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Diese Krippe ist wie eine Großfamilie

Soßmar. Wer die "Flohkiste" in Soßmar besuchen will, muss erst mal Treppen steigen: Die Krippe ist in einem ganz normalen Wohnhaus untergebracht, direkt gegenüber der Kirche. Unten ist das Pfarrbüro, oben eine Mietwohnung - und in der Mitte, wo früher der Pastor wohnte, spielen heute 15 Kleinkinder.



„Behütet und familiär“: Die drei Erzieherinnen Meike Rehwagen (von links), Kerstin Palatini und Melanie Cording kümmern sich gemeinsam um Naja, Alina, Frieda, Leon und elf weitere Kinder.

 

Nach Krippe sieht es hier erst mal nicht aus - eher nach Großfamilie. Die Flohkiste ist mit Abstand die kleinste Kita in der Gemeinde Hohenhameln. Das schätzen die Eltern: „Hier geht es sehr behütet zu, sehr familiär“, sagt Lisbeth Kunz, deren Tochter die Krippe besucht. „Auch das Außengelände ist natürlich ein klarer Pluspunkt.“ Den großen Pfarrgarten haben die Kinder für sich allein - „und wir nutzen jede Gelegenheit, um rauszugehen“, sagt Meike Rehwagen. Die Erzieherin leitet die Flohkiste und ist außerdem Vorsitzende des Fördervereins, denn als einzige Kita in der Gemeinde Hohenhameln wird die Flohkiste privat geführt.

Als Rehwagen vor acht Jahren auf die Idee kam, die Flohkiste zu gründen, gab es in Hohenhameln keine einzige Krippe. Rehwagen hatte damals selbst kleine Kinder und fand keinen Betreuungsplatz: „Ich wollte aber wieder arbeiten“, sagt sie. Also beschloss sie, selbst eine Krippe zu gründen. „Wir haben fast zwei Jahre gekämpft, bis wir loslegen konnten.“ Im September 2007 konnte die Flohkiste endlich eröffnen.

Das ist nur fünfeinhalb Jahre her - aber die Zeiten haben sich schon wieder geändert. In allen fünf Kitas in Hohenhameln werden mittlerweile auch Kinder unter drei Jahren betreut, und der einstige Vorreiter erscheint heute als Krippe zweiter Klasse. Nicht nur, weil die Verantwortlichen lange darum ringen mussten, von der Gemeinde ähnlich hohe Zuschüsse zu bekommen wie die anderen Kitas. Sondern auch, weil die Flohkiste eben „nur“ eine Krippe ist - nach dem dritten Geburtstag müssen die Jungen und Mädchen in einen Kindergarten wechseln. „Wir schmeißen hier natürlich niemanden raus“, sagt Rehwagen. „Die meisten Kinder wechseln erst nach den Sommerferien, wenn das neue Kindergartenjahr beginnt.“ Manche Eltern sehen das trotzdem als Nachteil: „Sie melden ihre Kinder lieber gleich in einer Kita an, die nach der Krippe auch einen Kindergartenplatz garantieren kann“, sagt Rehwagen.

Nach den Sommerferien wird in Soßmar mehr als die Hälfte der Krippenplätze frei. Und die Erzieherinnen fürchten, dass die Flohkiste als erste schließen muss, wenn in Hohenhameln weniger Kinder geboren und irgendwann weniger Betreuungsplätze benötigt werden. „Das haben wir schon oft zu hören bekommen“, sagt Rehwagen. Auch Kunz bestätigt das, deren Tochter die Krippe besucht und die zudem für die Grünen im Gemeinderat sitzt.
Rehwagen kann sich deshalb vorstellen, irgendwann zum Kindergarten „aufzurüsten“ - und die Kinder so lange zu betreuen, bis sie in die Schule kommen. „Das wäre auch pädagogisch sinnvoll“, sagt ihre Kollegin Kerstin Palatini. „Die jüngeren Kinder könnten dann viel von den Älteren lernen.“

Quelle: Peiner Allgemeine Zeitung

 
 
 
 
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